Presseartikel zum Thema Trinkwasser

Sorge um unser Trinkwasser

Quelle: RP - Von Tina Stockhausen

(RP) Im Jüchener Trinkwasser sind wiederholt choliforme Keime aufgetaucht. Kein Einzelfall: Industriechemikalien, Arzneimittelrückstände und Bakterien gelangen immer wieder in die Leitungen. Verbraucherschützer und Hygieneinstitute beklagen mangelhafte Kontrollen der Wasserwerke.

Die Probe sah aus „wie immer“. Ein paar Tropfen davon in eine Petrieschale – dann hieß es abwarten für die Kontrolleure im Wasserwerk Grevenbroich-Fürth. Was sie nach ein paar Tagen entdeckten, war jedoch nicht „wie immer“: Pünktchen hatten sich in der Petrischale ausbreitet. Choliforme Keime waren in der Trinkwasserprobe.

Die Kontrolleure schlugen Alarm, das Gesundheitsamt des Rheinkreises Neuss schritt ein und forderte die Bürger in Jüchen und Grevenbroich auf, ihr Leitungswasser abkochen. Zum dritten Mal in kurzer Zeit waren in dem von RWE Power betriebenen Werk Keime aufgetaucht.

Hygiene-Institut alarmiert

„So etwas darf nicht passieren.“ Martin Exner horcht bei solchen Pannen auf. „Wenn mehrmals hintereinander Keime ins Wasser gelangen, müssen die Ursachen dafür erforscht werde“, sagt der Direktor des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in Bonn. Für den Professor sind die Zwischenfälle nur weiterer Beweis, dass die Trinkwasserkontrollen in Deutschland dringend reformiert und verschärft werden müssen.

Erst im vergangenen Jahr hatte sein Institut bei Messungen in der Ruhr erschreckend hohe PFT-Werte festgestellt. Ein Industriebetrieb hatte die Chemikalie in die Ruhr geleitet. Die einfach ausgestatteten Ruhr-Wasserwerke konnten den gesundheitsgefährdenden Stoff nicht aus dem Wasser filtern, und die Kontrolleure übersahen das PFT bei ihren Tests. „Sie haben nur auf die vorgeschriebenen Werte in der Trinkwasserverordnung die Proben untersucht“, erklärt Exner. Da die Wasserwerke oft eigene oder private Labore einsetzen, werde nur das Nötigste kontrolliert.

Wasser ist Thema im Landtag

Seit dem PFT-Skandal tobt der Krieg um kostspielige Nachrüstung der Wasserwerke und teure Kontrollen von unabhängigen Instituten. Derzeit beschäftigt sich der Landtag NRW mit dem Thema. „Die Industrie muss sich an den Kosten für die Nachrüstungen beteiligen“, sagt Björn Rickert, Umweltreferent der Verbraucherzentrale NRW. „Wenn die Wasserwerke das bezahlen, müssen sie die Gebühren erhöhen, und dann tragen letztendlich die Verbraucher die Kosten.“

Rickert räumt ein: Unser Trinkwasser werde schärfer kontrolliert als jedes andere Lebensmittel. Dennoch hält er die Überwachung in NRW für nicht ausreichend. „Die Wasserwerke müssen nur einmal im Jahr einen Durchschnittsmesswert vorlegen“, sagt er. „Das ist viel zu wenig.“

Da immer mehr und neue Chemikalien in die Flüsse geleitet würden, müsse auch immer mehr Schutz gewährleistet werden. Dafür seien allerdings umfassende und damit teuere Kontrollen notwendig, die eben nicht nur die aufgeführten Punkte in der Trinkwasserverordnung überprüfen. „Doch statt dessen baut der Staat die unabhängigen Behörden ab“, sagt Rickert. „Das ist eine äußerst kritische Entwicklung.“

Das PFT hatten die Bonner Forscher nur zufällig unter dutzenden Giftstoffen entdeckt, die in der Ruhr treiben. Ein buntes Gemisch aus Arzneimittelrückständen, Röntgenkontrastmitteln und Industriechemikalien findet sich in dem Flusswasser, dass die Werke an Rhein und Ruhr aufbereiten. „Zu den Werten im Trinkwasser haben wir allerdings keine Daten vorliegen“, sagt Martin Lacombe vom Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (Lögd) in NRW. „Es liegt allein bei den kommunalen Gesundheitsämtern, welche zusätzlichen Parameter sie über die Verordnung hinaus kontrollieren lassen.“ Aber Arzneireste und Kontrastmittel im Flusswasser seien gesundheitlich unbedenklich.

Experte: Mindeststandards zu wenig

„Trotzdem gehört so etwas nicht ins Trinkwasser“, hält Harald Färber vom Bonner Hygieneinstitut dagegen. „Wenn wir immer nur die Mindeststandards erfüllen, trinken wir demnächst einen Chemiecocktail aus dem Wasserhahn.“ Obwohl stets neue Chemikalien in Flüsse geleitet werden, könne die Trinkwasserverordnung nicht ständig aktualisiert werden. So kann es durchaus sein, dass mittlerweile ähnliche Chemikalien wie PFT von den Kontrolleuren der Wasserwerke übersehen werden.

Im Wasserwerk Grevenbroich-Fürth wird seit den Zwischenfällen engmaschiger kontrolliert als sonst. Die Ursache für die Keime hat man allerdings noch nicht gefunden. „Die Untersuchungen laufen noch“, sagt Manfred Lang von RWE-Power. Dass so etwas nicht demnächst wieder vorkommt, könne er deshalb nicht ausschließen.

Quelle: rp.online.de
Autor: Tina Stockhausen
Url: https://www.rp-online.de/public/article/regional/nachrichten/479053

 

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