
Der weltweite Wassermarkt hat ein Wachstum wie kaum eine andere Branche. Deshalb haben private Anbieter großes Interesse, Wasser als Handelsware zu definieren, um diesen Markt zu übernehmen. Der Umsatz von Mineralwasser ist in Europa in den letzten zehn Jahren um das Zehnfache gestiegen - vorbei an Milch, Bier und Saft – und es wurde zum zweitbeliebtesten Getränk nach Softdrinks. Drei Viertel aller Europäer trinken in Flaschen abgefülltes Wasser, und 1/5 trinken ausschließlich abgefülltes Wasser (und das trotz der Tatsache, dass es bis zu 1000x teurer als Leitungswasser sein kann).
Warum kaufen Menschen in Flaschen abgefülltes Wasser? Mindestens ein Drittel der Konsumenten kauft es aufgrund von Bedenken gegenüber der Qualität des Leitungswassers. Aber kann man wirklich sicher sein, dass das Wasser aus einer reinen und ursprünglichen Bergquelle stammt, so wie auf dem Flaschenaufdruck zu sehen? Woher soll man wissen, dass das Wasser in der Flasche sauberer und sicherer ist als Leitungswasser? Und wie sieht es mit den Kosten für in Flaschen abgefülltes Wasser aus, im Vergleich zu Wasseraufbereitungs- und Wasserfilter-Systemen?
In den meisten Fällen ist das in Supermärkten zu kaufende Wasser nichts anderes als Wasser der kommunalen Wasserversorgung, welches ein Unternehmen in Flaschen gefüllt hat und nun zum Verkauf anbietet. Dutzende Millionen Euro werden jedes Jahr für Werbekampagnen ausgegeben, nur um dem Konsumenten den Eindruck zu vermitteln, dass jenes Wasser aus einer reinen, natürlichen und ursprünglichen Quelle in den Bergen stammt - wobei es in vielen Fällen tatsächlich nichts anderes als Leitungswasser ist.
In Flaschen abgefülltes Wasser kann verarbeitet und aufbereitet angeboten werden, oder überhaupt nicht verarbeitet oder aufbereitet. Es kann als Mineralwasser ausgewiesen werden, oder man filtert es solange, bis völlig demineralisiertes Wasser entstanden ist (um ihm dann Mineralien zuzuführen, damit es besser schmeckt). Das Wasser-Unternehmen hat also die Wahl, in welcher Weise und nach welchen Reinheitskriterien es das Wasser herstellt. Man hat also weder die Versicherung, noch gibt es irgendwelche Anforderungen in dieser Hinsicht, dass abgefülltes Wasser von besserer Qualität als Leitungswasser sein soll.
Wasser in Flaschen ist umständlich zu transportieren, belastet die Umwelt (sofern es nicht wiederverwertet wird) und kostet wesentlich mehr als gefiltertes Wasser; es kostet zwischen 49 Cent (Supermarkt), 99 Cent (Getränkeautomat) und 1 bis 1.5 Euro (nach Hause geliefertes Wasser) pro Liter. Die Herstellung der Wasserflaschen greift auf wertvolle natürliche Ressourcen zurück, und es können Probleme bei der Abfallbeseitigung entstehen.
Die Mineralwasser-Branche will die Öffentlichkeit in dem Glauben lassen, dass ihr Wasser von reinerer Qualität als Leitungswasser und auch aufbereitetes und gefiltertes Wasser sei. Die Qualität des Wassers hängt allerdings nur und ausschließlich von dem Unternehmen ab, welches die Flaschen abfüllt. Wasseraufbereitungssysteme und Wasserfilter-Anlagen von hoher Qualität (z.B. Aktivkohle-Filter oder KDF-Filter) sind für gewöhnlich in der Lage, wesentlich reineres und saubereres Wasser zu produzieren, und das auf wirtschaftlichere Weise. So spart man Hunderte Euro im Jahr, denn die Kosten von gefiltertem Wasser sind weniger als 1/10 von den Kosten für Mineralwasser.
Trotz der relativ hohen Standards hat vor einigen Jahren die Zeitschrift Öko-Test einen Test von 240 verschiedenen Mineralwässern durchgeführt und dabei 121 davon als gesundheitlich bedenklich eingestuft! Bei einem weiteren Test, bei dem es um die Überschreitung gesetzlich vorgegebener Arsen-Werte ging, wurden 37 Mineralwässer gestestet, wovon 11 die erforderlichen Werte überschritten.
Das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Freiburg warnt vor Darmkeimen, Schimmelpilzen und Bakterien in Wässern aus Wasserspendern (so genannten „Water-Coolern“). Wasserproben aus dem Jahr 2004 wiesen auf der Basis der Trinkwasserverordnung einen bis zu 34.000x höheren Gehalt an Keimen auf als es die Verordnung zulässt. Das Institut bewertet die Daten als höchst bedenklich, vor allem hinsichtlich der Gesundheit von immungeschwächten Menschen und Kleinkindern.
Laut dem Kriterienkatalog der Trinkwasserverordnung gelten gewisse Grenzwerte für Bakterienbildung, wonach bei Trinkwasser 100 Kolonien bildende Einheiten nie überschritten werden dürfen. Dies stellt bei Water-Coolern allerdings eine Gefahr dar. Biologen der Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Freiburg sehen in der Keimbildung von bereits geöffneten Wasserspendern eine Gefahr: „Bei Watercoolern hat der Konsument keinen Einfluss darauf, wie lange das Wasser bereits geöffnet ist. Demnach muss die Trinkwasserverordnung als Basis für die Bewertung herangezogen werden, um ausreichend Schutz zu gewähren."
Auch Mikrobiologen am Institut Kirchhoff erklärten gegenüber ÖKO-TEST Online, dass sich in Wasser aus Watercoolern tatsächlich Keime jenseits der Grenzwerte für Trinkwasser bilden können. Das liege weniger an der mangelnden Hygiene als vielmehr an der Standzeit; dass die Keime lebensbedrohlich sind, sei zwar nicht auszuschließen, aber auch keine zwangsläufige Folge. Gefunden wurden beispielsweise Keime wie Pseudomonas aeruginosa.
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