Presseartikel zum Thema Trinkwasser

Probleme der chemischen Trinkwasserqualität: Bleihaltige Wasserleitungen austauschen

Von Ludwig Müller

Die Verwendung von Bleirohren im Haushalt entspricht in Deutschland nicht mehr dem Stand des Wissens und der Technik und sollte schon aus diesem Grund seit mehr als zwei Jahrzehnten hierzulande nicht mehr praktiziert werden. Angesprochen werden deshalb insbesondere diejenigen Haushalte, die in vor 1975 beziehungsweise 1970 errichteten Gebäuden Trinkwasser aus bleihaltigen Leitungsrohren entnehmen. Die Hoffnung der Autoren, daß durch den WHO-Leitwert und durch den im Rahmen der Novellierung der EUTrinkwasser-Richtlinie diskutierten Blei-Grenzwert die weitere Nutzung dieser Bleirohrinstallationen in Bälde beendet werden könnte, ist zumindest - was den Zeitrahmen für nationale Gesetzgebungen betrifft - vorerst trügerisch.

Der Entwurf der EU-Trinkwasserrichtlinie sieht einen Übergangszeitraum von 15 Jahren vor, nach dem erst der neue Bleigrenzwert von 10 µg/l allgemein verbindlich sein soll. Dieser lange Zeitraum soll dadurch überbrückt werden, daß zunächst ab fünf Jahren nach Inkrafttreten der EU-Richtlinie beziehungsweise der nationalen Umsetzung eine Grenzkonzentration von 25 µg/l Blei im Trinkwasser maßgebend sein wird. Grundlage für diesen Vorschlag sind die in einzelnen Ländern voraussichtlich auftretenden enormen Kosten für den Austausch von Bleirohren.

Aus toxikologischen Gründen ist meines Erachtens unbestritten, daß unabhängig von der Novellierung der EURichtlinie und der später daraus folgenden Änderung der Trinkwasserverordnung zumindest in Haushalten mit Säuglingen/Kleinkindern bereits heute bleihaltige Wasserleitungen im Küchenbereich gegen toxikologisch unbedenkliche Leitungsmaterialien ausgetauscht werden sollten. Im Rahmen der weitergehenden Vorsorge sollte die Nutzung von Trinkwasser aus Bleirohrinstallationen mit Bleikonzentrationen oberhalb des anvisierten EUGrenzwertes auch durch Frauen im gebärfähigen Alter unterbleiben, um die Körperlast während einer möglichen Schwangerschaft und somit die Übertragung von mütterlichem Blei auf das werdende Kind so weit wie möglich zu begrenzen.

Zu den Grundsätzen der Grenzwertfestsetzung: Die Autoren veranschaulichen zum Beispiel in Tabelle 3, daß bei einigen Stoffen nicht oder nicht ausschließlich toxikologische Gründe zur Festlegung eines Grenzwertes geführt haben. Diese Botschaft dient der Transparenz, auch hinsichtlich der gesundheitlichen Bedeutung (und Einhaltung) von Grenzwerten für die Wasserqualität. Leider hat sich diese Transparenz bislang nicht in einer entsprechenden Aufsplitterung von Grenzwerten in der EU-Richtlinie von 1980, der daraus folgenden Trinkwasserverordnung der Bundesrepublik Deutschland und auch nicht im Entwurf der novellierten Fassung der EU-Richtlinie niedergeschlagen.

Es steht außer Frage, daß die Tolerierung von Fremd/Schadsubstanzen im Trinkwasser und damit die Höhe der für sie festzusetzenden Grenzwerte auch davon abhängen, ob sie im Zusammenhang mit der Aufbereitung und der Nutzung von Wasser für den menschlichen Gebrauch auftreten. Für PBSM ist beispielsweise kein derartiger Nutzen zu erkennen. Es ist somit konsequent, daß ein Grenzwert für den Einzelstoff oder für die Stoffgruppe gewählt wurde und wird, der (zumeist) unterhalb von vermeintlich toxikologisch begründbaren Einzelwerten angesiedelt ist. Hierdurch wird zugleich einer möglichen Auffüllung von Einzelgrenzwerten vorgebeugt, und es bleibt der politische Druck erhalten, dem Eintrag von PBSM in das Grundwasser abzuhelfen (und damit Ressourcenschutz zu betreiben).

Ob man die unter diesen Vorgaben festgelegten Werte "Vorsorge-Werte" oder "Grenzwerte nach dem Vorsorgeprinzip" nennt, bleibt dem Betrachter zunächst überlassen, da der Begriff "Vorsorge" bundesweit und auch überregional bislang nicht einheitlich definiert ist.

Quelle:
Deutsches Ärzteblatt 94, Ausgabe 31-32 vom 04.08.1997, Seite A-2075 / B-1795 / C-1670

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Konrad Botzenhart Prof. Dr. rer. nat. Friedrich Schweinsberg in Heft 1-2/1997

Priv.-Doz. Dr. Ludwig Müller
c/o Der Senator für Frauen,
Gesundheit, Jugend, Soziales und Umweltschutz
Birkenstraße 34 · 28195 Bremen


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